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Customer Lifetime Value (CLV)

Der Customer Lifetime Value (CLV) ist der Deckungsbeitrag, den ein Kunde über die gesamte Dauer der Geschäftsbeziehung erwirtschaftet. Er gilt als Obergrenze für die Kosten, einen neuen Kunden zu gewinnen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Beispiel aus der Praxis
  3. Wie berechnet man den Customer Lifetime Value?
  4. Was ist der Unterschied zwischen historischem und prognostiziertem CLV?
  5. Wie hängen CLV und Kundenakquisekosten zusammen?
  6. Wie nutzen Sie den CLV im Marketing?
  7. Wie unterscheidet sich der CLV im B2B und im B2C?
  8. Typische Fehler beim Customer Lifetime Value
  9. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die einfache Formel lautet Deckungsbeitrag je Bestellung mal Bestellungen pro Jahr mal Jahre der Kundenbeziehung. Mit dem Umsatz gerechnet, fällt der Kundenwert zu hoch aus.
  • Der historische CLV zählt, was ein Kunde bisher beigetragen hat. Der prognostizierte CLV schätzt den künftigen Beitrag und dient der Budgetplanung.
  • Die Kundenakquisekosten (CAC) sollten unter dem CLV liegen. Wie groß der Abstand sein muss, hängt von Ihrer Marge ab und davon, wie lange Sie auf den Rückfluss warten können.
  • Google Ads kann für Neukunden höher bieten als für Bestandskunden. GA4 prognostiziert bei genug Daten den Umsatz einzelner Nutzer für die nächsten 28 Tage.
  • Im B2B-Geschäft lohnt sich die Rechnung je Kundensegment, weil sich Bestellwerte und Vertragslaufzeiten oft stark unterscheiden.

Beispiel aus der Praxis

Ein Großhändler für Verbrauchsmaterial in Zahnarztpraxen gewinnt über eine Google-Ads-Kampagne eine neue Praxis als Kunden. Eine Bestellung bringt im Schnitt 400 Euro Umsatz und nach Wareneinsatz und Versand 120 Euro Deckungsbeitrag. Die Praxen bestellen etwa sechsmal im Jahr und bleiben im Mittel vier Jahre.

Der Customer Lifetime Value liegt damit bei 120 Euro mal 6 Bestellungen mal 4 Jahre, also bei 2.880 Euro. Hat die Gewinnung der Praxis 600 Euro gekostet, ist dieser Betrag bei 720 Euro Deckungsbeitrag im Jahr nach 10 Monaten eingespielt. Ein Neukunde darf in diesem Rechenbeispiel also deutlich mehr kosten, als seine erste Bestellung einbringt.

Wie berechnet man den Customer Lifetime Value?

Für eine erste Schätzung reichen Zahlen aus Buchhaltung und CRM. Die einfache Formel multipliziert drei Durchschnittswerte.

CLV = Deckungsbeitrag je Bestellung × Bestellungen pro Jahr × Dauer der Kundenbeziehung in Jahren

Rechnen Sie mit dem Deckungsbeitrag, also dem Umsatz abzüglich variabler Kosten wie Wareneinsatz und Versand. Mit dem Umsatz gerechnet, erscheint ein Kunde wertvoller, als er für die Deckung der Akquisekosten tatsächlich ist.

Genauer wird die Rechnung, wenn sie Abwanderung und Zinsen berücksichtigt. Das Marketing-Wörterbuch des Marketing Accountability Standards Board (MASB) nennt dafür eine Formel mit Bindungsrate und Abzinsungssatz.

CLV = Marge pro Jahr × Bindungsrate ÷ (1 + Abzinsungssatz − Bindungsrate)

Mit 720 Euro Deckungsbeitrag pro Jahr, 75 % Bindungsrate und 10 % Abzinsung ergibt sie rund 1.540 Euro. Eine Bindungsrate von 75 % entspricht im Mittel ebenfalls vier Jahren Kundenbeziehung. Der Wert liegt trotzdem unter der einfachen Rechnung, unter anderem weil die Formel spätere Beiträge abzinst und jedes Jahr mit Abwanderung rechnet.

Was ist der Unterschied zwischen historischem und prognostiziertem CLV?

Der historische CLV summiert den Deckungsbeitrag, den ein Kunde bisher gebracht hat. Er ist genau, beschreibt aber nur die Vergangenheit. Der prognostizierte CLV schätzt, was ein Kunde künftig beitragen wird, etwa aus Kaufhäufigkeit und Bindungsrate vergleichbarer Kunden.

In GA4 finden Sie beide Sichtweisen in Ansätzen. Die Vorlage „Nutzer-Lifetime“ zeigt den Lifetime-Wert je Nutzer seit dem ersten Besuch. Als Prognosemesswert schätzt GA4 den Umsatz, den ein aktiver Nutzer in den nächsten 28 Tagen voraussichtlich bringt. Dafür verlangt Google eine Mindestmenge an Daten, unter anderem je 1.000 wiederkehrende Nutzer mit und ohne Kauf. Beide Werte beruhen auf dem Umsatz, den Deckungsbeitrag rechnen Sie selbst heraus.

Wie hängen CLV und Kundenakquisekosten zusammen?

Die Kundenakquisekosten (Customer Acquisition Cost, CAC) sind alle Marketing- und Vertriebskosten eines Zeitraums, geteilt durch die Zahl der gewonnenen Neukunden. Der CPA aus einem Werbekonto misst die Kosten je Conversion, etwa je Anfrage, und enthält keine Vertriebskosten.

Das MASB beschreibt den CLV als Obergrenze für die Ausgaben zur Gewinnung neuer Kunden. Wie weit der CAC darunter liegen sollte, hängt von Ihrer Marge ab und davon, wie lange Sie auf den Rückfluss warten können. Hilfreich ist deshalb eine zweite Kennzahl, die Amortisationszeit. Diese Kennzahl gibt an, nach wie vielen Monaten der Deckungsbeitrag eines Kunden seine Akquisekosten eingespielt hat.

Wie nutzen Sie den CLV im Marketing?

Mit dem CLV bewerten Sie Kanäle und Kampagnen nach dem Wert der Kunden, die sie bringen. Ein Kanal mit niedrigem ROAS bei der ersten Bestellung kann sich lohnen, wenn seine Kunden lange bleiben.

  • Gebote nach Wert. Mit der Gebotsstrategie Ziel-ROAS bietet Google Ads auf den erwarteten Conversion-Wert. Übermitteln Sie dafür Werte, die den Kundenwert abbilden, etwa einen höheren Wert für Erstbestellungen.
  • Neukunden bevorzugen. Mit den Zielvorhaben für den Kundenlebenszyklus bietet Google Ads für Neukunden höher als für Bestandskunden. Bestandskunden legen Sie über eine Kundenliste und das Website-Tag fest.
  • Zielgruppen. GA4 schlägt Prognosezielgruppen vor, etwa die umsatzstärksten Nutzer der nächsten 28 Tage, und gibt sie für verknüpfte Google-Ads-Konten frei.
  • Budget je Kanal. Vergleichen Sie Kanäle zusätzlich nach dem CLV der Kunden, die sie gewinnen.

In der Beratung zu Strategie und Roadmap legen wir den Kundenwert mit Ihrem Team als Kennzahl fest, mit Zahlen aus Vertrieb und CRM, bevor die Budgets je Kanal feststehen.

Wie unterscheidet sich der CLV im B2B und im B2C?

Im B2C-Geschäft, etwa im Onlinehandel, gibt es viele Kunden mit ähnlichem Kaufverhalten. Dort lässt sich der CLV aus Shopdaten für Gruppen von Kunden rechnen, die im selben Monat zum ersten Mal gekauft haben.

Im B2B-Geschäft sind es weniger Kunden mit stark unterschiedlichen Bestellwerten und Vertragslaufzeiten. Sinnvoll ist dort ein CLV je Kundensegment oder für einzelne große Kunden, gerechnet mit Daten aus CRM und Warenwirtschaft. Zusatzgeschäft und Rahmenverträge können dabei schwerer wiegen als die erste Bestellung.

Typische Fehler beim Customer Lifetime Value

Diese Fehler verzerren den berechneten Kundenwert.

  • Mit Umsatz rechnen. Der Kundenwert fällt zu hoch aus, und Kampagnen erhalten zu viel Budget.
  • Ein Durchschnitt für alle Kunden. Er verdeckt, dass einzelne Segmente deutlich mehr oder weniger wert sind.
  • Unvollständige Akquisekosten. Ohne Vertriebskosten und Einführungsrabatte wirkt der CAC zu niedrig.
  • Zu lange Laufzeiten. Die angenommene Dauer der Kundenbeziehung ist durch eigene Daten nicht gedeckt.
  • Keine Aktualisierung. Preise und Kaufverhalten ändern sich. Rechnen Sie den CLV mindestens einmal im Jahr neu.

Verwandte Begriffe

Quellen

Häufige Fragen

Was bedeutet Customer Lifetime Value auf Deutsch?

Customer Lifetime Value heißt auf Deutsch Kundenlebenszeitwert, oft auch einfach Kundenwert. Gemeint ist der Beitrag, den ein Kunde während der gesamten Geschäftsbeziehung zum Ergebnis leistet. Gebräuchlich sind die Abkürzungen CLV und LTV.

Was ist der Unterschied zwischen CLV und LTV?

Inhaltlich keiner, LTV steht kurz für Lifetime Value. In Tools wie GA4 bezeichnet der Lifetime-Wert allerdings den bisherigen Umsatz eines Nutzers. Für Budgetentscheidungen rechnen Sie diesen Umsatz in Deckungsbeitrag um.

Was ist der Unterschied zwischen CLV und CAC?

Der CLV beschreibt, was ein Kunde über die Zeit einbringt. Der CAC beschreibt, was seine Gewinnung kostet. Erst beide Zahlen zusammen zeigen, ob sich die Neukundengewinnung über einen Kanal lohnt.

Was gehört in die Kundenakquisekosten?

In den CAC gehören alle Kosten, die für die Gewinnung neuer Kunden anfallen. Dazu zählen Werbebudget und Dienstleister ebenso wie der Anteil der Vertriebskosten. Geteilt durch die Zahl der Neukunden im selben Zeitraum ergibt sich der CAC, die Betreuung bestehender Kunden bleibt außen vor.

Was ist ein gutes Verhältnis von CLV zu CAC?

Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Der CLV markiert die Obergrenze für die Akquisekosten. Wie viel Abstand Sie brauchen, hängt von Ihrer Marge ab und davon, wie lange Sie auf den Rückfluss der Investition warten können.

Kann Google Analytics 4 den Customer Lifetime Value berechnen?

Teilweise. GA4 zeigt in der Vorlage „Nutzer-Lifetime“ den Umsatz je Nutzer seit dem ersten Besuch und prognostiziert bei genug Daten den Umsatz der nächsten 28 Tage. Margen und Käufe außerhalb des Shops kennt GA4 nicht. Den vollständigen CLV rechnen Sie deshalb mit Daten aus CRM oder Warenwirtschaft.

Wie lässt sich der Customer Lifetime Value steigern?

Über längere Kundenbeziehungen und mehr Bestellungen je Kunde. Dazu tragen guter Service nach dem Kauf und passende Zusatzangebote bei. Automatisierte E-Mail-Strecken, etwa über Marketing Automation, halten den Kontakt zwischen den Bestellungen.

Ist der CLV auch im B2B sinnvoll?

Ja, gerade bei Rahmenverträgen und wiederkehrenden Bestellungen. Weil viele Abschlüsse über den Vertrieb laufen, stammen die Zahlen dort meist aus CRM und Warenwirtschaft. Ein CLV je Kundensegment zeigt, welche Kunden sich für eine intensivere Betreuung lohnen.

Wie oft sollte man den CLV neu berechnen?

Mindestens einmal im Jahr und nach jeder größeren Preis- oder Sortimentsänderung. Werte, die Sie für Gebotsstrategien an Google Ads übermitteln, sollten Sie im selben Zug anpassen.

Glossar

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