Zum Inhalt springen

Omnichannel

Omnichannel bezeichnet eine Strategie, bei der ein Unternehmen seine Verkaufs- und Kontaktkanäle so verbindet, dass Kunden zwischen ihnen wechseln können, ohne neu anzufangen. Grundlage sind Kunden- und Produktdaten, die alle Kanäle gemeinsam nutzen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Beispiel aus der Praxis
  3. Was bedeutet Omnichannel?
  4. Was ist der Unterschied zwischen Multichannel, Crosschannel und Omnichannel?
  5. Wie sieht Omnichannel in der Praxis aus?
  6. Welche Voraussetzungen braucht Omnichannel?
  7. Wie misst man Omnichannel?
  8. Sind KI-Assistenten ein weiterer Kanal?
  9. Typische Fehler bei Omnichannel
  10. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Omnichannel verbindet Verkaufs- und Kontaktkanäle so, dass Kunden zwischen Onlineshop und Filiale wechseln können, ohne neu anzufangen.
  • Beim Multichannel laufen Kanäle nebeneinander, beim Crosschannel sind sie an einzelnen Stellen verbunden. Omnichannel teilt Kunden- und Produktdaten über alle Kanäle.
  • Typische Beispiele sind der Ladenbestand in der Google-Suche und die Abholung im Geschäft.
  • Messbar wird Omnichannel erst, wenn Käufe und Kontakte einem Kunden zugeordnet werden.
  • KI-Assistenten wie ChatGPT kommen als Kanal hinzu. Auch dort müssen Preise und Bestände stimmen.

Beispiel aus der Praxis

Ein Fachhändler für Elektroinstallation hat zwölf Filialen und einen Onlineshop. Ein Elektriker sucht abends bei Google nach einem bestimmten Kabel und sieht, dass die nächste Filiale es vorrätig hat. Er reserviert es online, holt es am nächsten Morgen ab, und der Kauf erscheint danach in seinem Kundenkonto.

Das funktioniert, weil Shop und Filialen denselben Warenbestand melden und das Kundenkonto beide Kanäle kennt. Der Händler sieht in seinen Daten, wie viele Abholungen in der Filiale mit einer Suche im Netz begonnen haben.

Was bedeutet Omnichannel?

Omnichannel bedeutet, dass ein Unternehmen seine Kanäle aus Sicht der Kunden als ein gemeinsames Angebot führt. Kunden kaufen und reklamieren dort, wo es für sie gerade passt, und das Unternehmen kennt den Stand in jedem Kanal.

Ein Fachartikel im Journal of Retailing beschreibt 2015 den Schritt vom Multichannel- zum Omnichannel-Handel. Omnichannel betrachtet danach, wie Käufer sich während Suche und Kauf zwischen den Kanälen bewegen. Beck und Rygl stellten im selben Jahr fest, dass Begriffe wie Multichannel und Omnichannel oft uneinheitlich verwendet werden. Mit Omnichannel-Marketing ist meist die Kommunikation gemeint, mit Omnichannel-Commerce der Verkauf.

Was ist der Unterschied zwischen Multichannel, Crosschannel und Omnichannel?

Der Unterschied liegt darin, wie eng die Kanäle verbunden sind. Die Tabelle zeigt die übliche Abgrenzung.

Drei Ansätze im Vergleich
Ansatz Kanäle Daten Beispiel
Multichannel mehrere Kanäle nebeneinander getrennt je Kanal Online gekaufte Ware lässt sich nur per Post zurückgeben.
Crosschannel an einzelnen Stellen verbunden teilweise geteilt Online bestellen und im Geschäft abholen.
Omnichannel alle Kanäle greifen ineinander gemeinsame Kunden- und Produktdaten Kundenkonto und Bestand sind in jedem Kanal gleich, auch im Gespräch mit dem Außendienst.

Wie sieht Omnichannel in der Praxis aus?

In der Praxis zeigt sich Omnichannel an Stellen, an denen Kunden den Kanal wechseln.

  • Ladenbestand online sichtbar. Über Anzeigen für lokales Inventar und kostenlose lokale Einträge zeigt Google Suchenden in der Nähe, welche Produkte im Geschäft vorrätig sind. Die Daten kommen aus dem Google Merchant Center.
  • Abholung im Geschäft. Mit „Heute abholen“ bewerben Händler Produkte, die sich online reservieren oder kaufen und am selben oder nächsten Tag abholen lassen. „Später abholen“ gilt für Ware, die erst innerhalb einer bestimmten Frist abholbereit ist.
  • B2B mit gemeinsamer Datenbasis. Der Außendienst sieht dieselben Preise und Bestellungen wie der Kunde in seinem Portal. Eine Nachbestellung, die im Gespräch beginnt, kann der Kunde später im Shop abschließen.

Welche Voraussetzungen braucht Omnichannel?

Omnichannel beginnt bei den Daten. Ohne einheitliche Kunden- und Produktdaten bleiben die Kanäle getrennt, auch wenn sie gleich aussehen.

  1. Kundenwege verstehen. Analysieren Sie, zwischen welchen Kanälen Ihre Kunden tatsächlich wechseln. Die Customer Journey zeigt, wo ein Wechsel heute hakt.
  2. Kundendaten zusammenführen. Ein Kunde hat eine Kundennummer, egal ob er online oder in der Filiale kauft. Ob Sie dafür eine Einwilligung brauchen, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
  3. Produktdaten vereinheitlichen. Preise und Bestände kommen aus einer Quelle und sind überall aktuell.
  4. Mit einem Anwendungsfall starten. Ein Fall wie die Abholung im Geschäft zeigt schnell, wo Prozesse und Systeme nicht zusammenpassen.
  5. Zuständigkeiten klären. Filiale und Onlineshop werden so gemessen, dass beide vom Kauf im jeweils anderen Kanal profitieren.

In der Beratung zu Strategie und Roadmap legen wir dafür fest, welche Kanäle für welche Kundengruppe zählen und in welcher Reihenfolge sie verbunden werden.

Wie misst man Omnichannel?

Messbar wird Omnichannel erst, wenn sich Kontakte und Käufe einem Kunden zuordnen lassen.

  • Kanalübergreifende Nutzer. Mit der User-ID verknüpft Google Analytics 4 das Verhalten angemeldeter Nutzer über Geräte und Plattformen hinweg. Die ID darf keine Daten enthalten, mit denen Dritte die Person erkennen.
  • Offline-Abschlüsse. Google Ads kann Verkäufe aus dem CRM importieren und so zeigen, wie Onlineanzeigen auf Abschlüsse außerhalb der Website wirken. Für neue Einrichtungen empfiehlt Google die erweiterten Conversions für Leads (Stand: Oktober 2026).
  • Wert je Kunde. Kennzahlen wie der Customer Lifetime Value zählen den Umsatz über alle Kanäle.

Welcher Kanal wie viel zum Abschluss beiträgt, verteilt ein Attributionsmodell. Käufe in der Filiale nach einer Onlinesuche bleiben dabei oft nur teilweise sichtbar.

Sind KI-Assistenten ein weiterer Kanal?

Ja, KI-Assistenten wie ChatGPT kommen als Kanal hinzu, in dem Kunden Produkte suchen und vergleichen. OpenAI beschreibt für Händler einen eigenen Produktfeed, damit ChatGPT Produkte mit aktuellem Preis und Bestand anzeigt (Stand: Oktober 2026). Für Omnichannel heißt das, dass dieselben Produktdaten wie im Shop und im Merchant Center auch dort stimmen müssen. Was KI-Agenten beim Einkauf übernehmen, erklärt der Eintrag Agentic Commerce.

Typische Fehler bei Omnichannel

  • Mit der Software beginnen. Ein neues System hilft wenig, solange unklar ist, welche Wege Kunden zwischen den Kanälen gehen.
  • Bestand und Preis weichen ab. Zeigt Google einen Artikel als vorrätig und die Filiale hat ihn nicht, fährt der Kunde umsonst los.
  • Kanäle konkurrieren intern. Werden Filialen nur am eigenen Umsatz gemessen, empfehlen sie ungern die Onlinebestellung.

Verwandte Begriffe

Quellen

Häufige Fragen

Was bedeutet Omnichannel auf Deutsch?

Omnichannel heißt wörtlich „alle Kanäle“, das lateinische omnis bedeutet „alle“. Gemeint ist, dass ein Unternehmen seine Verkaufs- und Kontaktkanäle verbindet. Im Deutschen ist auch von kanalübergreifendem Handel oder Marketing die Rede.

Was ist der Unterschied zwischen Omnichannel und Multichannel?

Beim Multichannel betreibt ein Unternehmen mehrere Kanäle, die jeder für sich arbeiten. Beim Omnichannel teilen die Kanäle Kunden- und Produktdaten, sodass ein Kauf in einem Kanal beginnen und in einem anderen enden kann. Für Kunden zeigt sich der Unterschied etwa bei Retouren oder beim Kundenkonto.

Was ist Omnichannel-Marketing?

Omnichannel-Marketing stimmt Werbung und Kommunikation über alle Kanäle auf denselben Kunden ab. Wer im Shop ein Produkt angesehen hat, erhält etwa im Newsletter keine Werbung mehr dafür, wenn er es in der Filiale schon gekauft hat. Dafür braucht das Marketing Zugriff auf die Kaufdaten aus allen Kanälen.

Ist Click and Collect schon Omnichannel?

Click and Collect, also online bestellen und im Geschäft abholen, ist ein erster Schritt. Zum Omnichannel wird es, wenn Bestand und Kundenkonto in beiden Kanälen auf denselben Daten beruhen. Als Einstieg eignet sich der Fall gut, weil er Warenbestand und Kundenkonto zugleich betrifft.

Lohnt sich Omnichannel auch im B2B?

Ja, gerade dort kaufen Kunden oft über mehrere Wege, etwa beim Außendienst und im Kundenportal. Wenn alle Beteiligten dieselben Preise und Lieferstände sehen, sinkt der Abstimmungsaufwand auf beiden Seiten.

Welche Systeme braucht man für Omnichannel?

Meist ein CRM für Kundendaten, ein Warenwirtschafts- oder ERP-System für Bestände und Preise sowie Shop und Kassensystem, die auf diese Daten zugreifen. Bei vielen Artikeln kommt ein System für Produktinformationen hinzu. Die Systeme müssen dieselben Daten nutzen, sonst bleiben die Kanäle getrennt.

Wie misst man den Erfolg von Omnichannel?

Über Kennzahlen je Kunde, etwa Umsatz und Kaufhäufigkeit über alle Kanäle. Dafür müssen Käufe in Filiale und Shop demselben Kunden zugeordnet werden. Ein Attributionsmodell zeigt ergänzend, welche Kanäle zum Abschluss beitragen.

Was kostet die Einführung von Omnichannel?

Das hängt vor allem davon ab, wie viele Systeme verbunden werden und wie sauber die Kunden- und Produktdaten heute sind. Ein einzelner Anwendungsfall wie die Abholung im Geschäft ist deutlich schneller umgesetzt als ein gemeinsames Kundenkonto über alle Kanäle.

Glossar

Mehr aus Strategie.

Alle 75 Begriffe
  • Customer Lifetime Value (CLV)

    Der Customer Lifetime Value (CLV) ist der Deckungsbeitrag, den ein Kunde über die gesamte Dauer der Geschäftsbeziehung erwirtschaftet.

  • Go-to-Market-Strategie

    Eine Go-to-Market-Strategie ist der Plan, mit dem ein Unternehmen ein Produkt oder eine Leistung in einen Markt einführt.

  • Marketing-Audit

    Ein Marketing-Audit ist eine systematische Bestandsaufnahme von Website, Kampagnen, Tracking und Sichtbarkeit in Suche und KI-Antworten.

  • USP (Unique Selling Proposition)

    Eine USP (Unique Selling Proposition) ist ein Nutzenversprechen, mit dem sich ein Angebot vom Wettbewerb abhebt und das für Kunden ein wichtiger Kaufgrund ist.

Gespräch anfragen