Inhalt dieser Seite
- Das Wichtigste in Kürze
- Beispiel aus der Praxis
- Woher kommt der Begriff Social Proof?
- Welche Formen von Social Proof gibt es?
- Wo wirkt Social Proof am besten?
- Was gilt rechtlich für Kundenbewertungen?
- Wie funktioniert Social Proof im B2B?
- Wie testet man Social Proof?
- Typische Fehler bei Social Proof
- Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
- Social Proof beschreibt, dass Menschen sich bei Unsicherheit am Verhalten anderer orientieren. Bekannt gemacht hat das Prinzip Robert Cialdini mit seinem Buch „Influence“ von 1984.
- Typische Formen sind Bewertungen und Kundenstimmen, im B2B vor allem Fallstudien und Referenzen aus der eigenen Branche.
- Am stärksten wirkt Social Proof nahe an der Entscheidung, etwa neben dem Formular oder dem Bestellknopf.
- Seit Mai 2022 regelt das UWG den Umgang mit Kundenbewertungen. Gefälschte Bewertungen sind unzulässig.
- Ob eine Kundenstimme mehr Anfragen bringt, zeigt ein A/B-Test oder bei wenig Traffic ein Vorher-nachher-Vergleich.
Beispiel aus der Praxis
Ein Anbieter von Software für die Instandhaltung bewirbt eine Demo über eine eigene Landingpage. Neben dem Anfrageformular stehen bisher nur Produktmerkmale. Das Marketingteam setzt drei kurze Zitate von Instandhaltungsleitern aus Kundenunternehmen direkt neben das Formular, jeweils mit Name und Firma und mit Zustimmung der Zitierten.
Bevor die Änderung dauerhaft bleibt, prüft das Team sie in einem A/B-Test. Gemessen wird, ob die Seite mit den Zitaten mehr Demo-Anfragen bringt als ohne.
Woher kommt der Begriff Social Proof?
Bekannt gemacht hat den Begriff der Psychologe Robert Cialdini von der Arizona State University mit seinem Buch „Influence“, dessen erste Ausgabe 1984 erschien. Er beschreibt Social Proof als eines seiner Prinzipien der Überzeugung. Die Website seines Unternehmens Influence at Work fasst es so zusammen, dass sich Menschen vor allem bei Unsicherheit am Verhalten anderer orientieren.
Ursprünglich nannte Cialdini sechs Prinzipien, später ergänzte er als siebtes die Verbundenheit (Unity). Auf Deutsch heißt Social Proof auch soziale Bewährtheit.
Welche Formen von Social Proof gibt es?
Social Proof zeigt, dass andere ein Angebot gewählt haben und zufrieden sind. Welche Form passt, hängt vom Angebot und von der Entscheidung ab, die Besucher treffen sollen.
| Form | Beispiel | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| Bewertungen | Sterne und Texte von Käufern im Shop oder im Google Unternehmensprofil | Produkte im Shop, lokale Dienstleister |
| Kundenstimmen | Zitat mit Name und Firma | Dienstleistungen, Anfrageformulare |
| Fallstudien | Projekt eines Kunden mit Ergebnis | erklärungsbedürftige Angebote im B2B |
| Kundenlogos | Logos bekannter Kunden auf der Startseite | erster Eindruck im B2B |
| Zertifikate und Siegel | Prüfzeichen oder Mitgliedschaften in Verbänden | Vertrauen beim Kauf und bei der Zahlung |
| Nutzungszahlen | Zahl der Kunden oder Installationen | Software und Plattformen |
Jede Angabe muss stimmen und belegbar sein. Für Zitate mit Namen und für Kundenlogos brauchen Sie die Zustimmung der Betroffenen.
Wo wirkt Social Proof am besten?
Social Proof wirkt am stärksten dort, wo Besucher sich entscheiden. Das ist meist neben dem Call to Action, etwa am Anfrageformular.
- Neben dem Formular. Eine Kundenstimme direkt am Anfrageformular beantwortet die Frage, ob sich die Anfrage lohnt.
- Auf der Produktseite. Bewertungen stehen nahe am Preis und am Bestellknopf.
- Passend zum Einwand. Ein Zitat zur Einführungszeit steht dort, wo es um den Aufwand geht.
Wie stark Bewertungen wirken können, zeigt eine Auswertung des Spiegel Research Center der Northwestern University, erstmals 2017 veröffentlicht. Produkte mit fünf Bewertungen hatten dort eine um 270 % höhere Kaufwahrscheinlichkeit als Produkte ohne Bewertung. Bei teureren Produkten stieg die Conversion Rate mit Bewertungen um 380 %, bei günstigeren um 190 %. Die Daten stammen aus den USA.
Was gilt rechtlich für Kundenbewertungen?
Seit dem 28. Mai 2022 enthält das UWG ausdrückliche Regeln zu Verbraucherbewertungen. Sie gelten für Unternehmen, die solche Bewertungen zugänglich machen.
- Informationspflicht. Nach § 5b Absatz 3 UWG gelten Angaben darüber als wesentlich, ob und wie ein Unternehmen sicherstellt, dass Bewertungen von Kunden stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder gekauft haben.
- Echtheit. Nach Nummer 23b im Anhang zum UWG ist es unzulässig, die Echtheit von Bewertungen zu behaupten, ohne sie angemessen zu prüfen.
- Gefälschte Bewertungen. Nummer 23c verbietet, gefälschte Bewertungen abzugeben oder in Auftrag zu geben und Bewertungen in sozialen Medien falsch darzustellen.
Wie Sie diese Pflichten auf Ihrer Website umsetzen, klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung.
Wie funktioniert Social Proof im B2B?
Im B2B zählen vor allem Belege von Unternehmen, die dem eigenen ähneln. Ein Einkäufer im Maschinenbau achtet darauf, ob der Anbieter schon für vergleichbare Betriebe gearbeitet hat.
- Fallstudien. Sie beschreiben ein Kundenprojekt bis zum Ergebnis und lassen sich im Vertrieb weitergeben.
- Referenzen nach Branche. Besucher finden schneller einen Kunden aus ihrer eigenen Branche.
- Stimmen aus der Fachabteilung. Ein Zitat des technischen Leiters spricht Techniker im Einkaufsteam direkt an.
Wie testet man Social Proof?
Ob eine Kundenstimme mehr Anfragen bringt, zeigt ein A/B-Test. Getestet werden etwa die Platzierung oder die Form, also Sterne gegenüber einem Zitat.
Bei wenigen Anfragen im Monat reicht der Traffic dafür oft nicht. Dann helfen Nutzertests und ein Vorher-nachher-Vergleich. In der Conversion-Optimierung prüfen wir Änderungen an Kundenstimmen deshalb im A/B-Test oder im Vergleich mit dem Stand davor.
Typische Fehler bei Social Proof
- Gefälschte Bewertungen. Sie selbst zu schreiben oder in Auftrag zu geben, ist nach Nummer 23c im Anhang zum UWG unzulässig.
- Nur Bestnoten. Laut Spiegel Research Center erreicht die Kaufwahrscheinlichkeit meist bei Bewertungen zwischen 4,0 und 4,7 Sternen ihren Höchstwert und sinkt, je näher die Bewertung an 5,0 liegt.
- Anonyme Zitate. „M. aus K.“ wirkt wenig glaubwürdig. Name und Firma machen eine Kundenstimme überprüfbar.
- Belege weit weg von der Entscheidung. Kundenstimmen, die nur auf einer eigenen Referenzseite stehen, fehlen am Formular.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Influence at Work: Principles of Persuasion (Robert Cialdini)
- Open Library: Cialdini, Influence. How and why people agree to things (Morrow, 1984)
- Spiegel Research Center: How Online Reviews Influence Sales
- gesetze-im-internet.de: § 5b UWG
- gesetze-im-internet.de: Anhang zu § 3 Absatz 3 UWG
- IHK Magdeburg: Das neue UWG 2022










