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Beispiel aus der Praxis
Ein Einkäufer in einem Handwerksbetrieb bittet einen KI-Assistenten, fünf Akku-Bohrschrauber einer bestimmten Leistungsklasse mit Lieferung bis Freitag zu finden. Der Agent vergleicht dafür Produktdaten wie technische Werte, Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit. In manchen Diensten kann er den Kauf nach Bestätigung auch abschließen.
Ein Onlinehändler mit unvollständigen Angaben fällt dabei aus der Auswahl, bevor ein Mensch seinen Shop überhaupt sieht.
Wie funktioniert Agentic Commerce?
Agentic Commerce verläuft in drei Stufen, die unterschiedlich weit automatisiert sind:
- Recherche und Empfehlung: Der KI-Agent sucht Produkte in Suchindizes, Produktfeeds und auf Websites und vergleicht sie anhand der Anforderungen des Nutzers. Diese Stufe ist bei ChatGPT, Gemini, Perplexity und Googles KI-Modus verbreitet.
- Warenkorb und Checkout: Der Agent legt Produkte in einen Warenkorb und übergibt Liefer- und Zahlungsdaten an den Händler. Das setzt technische Schnittstellen voraus und ist bisher nur in einzelnen Märkten und für ausgewählte Händler verfügbar.
- Delegierter Kauf: Der Nutzer legt Regeln fest, etwa Preisgrenze und Zeitpunkt, und der Agent kauft selbstständig, sobald die Bedingungen erfüllt sind.
Der Händler bleibt dabei in der Regel Verkäufer und Vertragspartner. Er stellt Produktdaten, Preise, Steuern, Versand und Zahlungsabwicklung bereit, während der Agent die Oberfläche für den Kunden ist.
Welche Protokolle gibt es für Agentic Commerce?
Drei offene Protokolle prägen den Markt (Stand: September 2026):
Agentic Commerce Protocol (ACP)
OpenAI hat das ACP gemeinsam mit Stripe entwickelt und im September 2025 zusammen mit der Kauffunktion Instant Checkout in ChatGPT vorgestellt. Es umfasst Produktfeeds, die Checkout-Abwicklung und die delegierte Zahlung, wobei OpenAI nicht Verkäufer ist. Nach Medienberichten hat OpenAI Instant Checkout im März 2026 zurückgefahren und setzt stärker auf Händler-Apps in ChatGPT, das Protokoll wird weiter genutzt.
Universal Commerce Protocol (UCP)
Google hat das UCP im Januar 2026 als Open-Source-Standard vorgestellt, entwickelt unter anderem mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Es ermöglicht Käufe direkt im KI-Modus der Google-Suche und in der Gemini-App und wurde im März 2026 um Warenkorb, Katalogzugriff und Kontoverknüpfung erweitert. Der UCP-basierte Checkout ist laut Google derzeit in den USA, Kanada und Australien für ausgewählte Händler verfügbar, nicht in Deutschland.
Agent Payments Protocol (AP2)
Google hat AP2 im September 2025 mit über 60 Partnern aus Zahlungsverkehr und Technologie vorgestellt. Es regelt die Zahlung über kryptografisch signierte Aufträge (Mandates), die belegen, was der Nutzer beauftragt und freigegeben hat. UCP ist mit AP2 kompatibel.
Welche Daten brauchen KI-Agenten von Händlern und Herstellern?
Auch ohne direkten Agenten-Checkout in Deutschland entscheidet die Datenqualität schon heute, ob Produkte in KI-Empfehlungen auftauchen. Die wichtigsten Grundlagen:
- Vollständiger Produktfeed: Google verweist für KI-Funktionen ausdrücklich auf Merchant-Center-Feeds. Titel, Attribute, GTIN, Preis, Verfügbarkeit und Versandkosten müssen aktuell sein.
- Strukturierte Daten: Produkt- und Angebotsauszeichnungen nach Schema.org, die mit den sichtbaren Angaben übereinstimmen (strukturierte Daten).
- Klare Konditionen: Lieferzeit, Rückgabe, Garantie und Zahlungsarten in maschinenlesbarer Form statt nur im Fließtext.
- Vergleichbare Angaben: technische Werte in einheitlichen Einheiten, Einsatzbereiche und Abgrenzungen, die Vergleichsfragen beantworten.
- Zugang für Agenten: Such-Crawler zulassen und Bot-Schutz so einstellen, dass legitime Agenten nicht blockiert werden.
Wie EOM Händler und Hersteller dabei begleitet, zeigt die Agentic Commerce Beratung.
Agentic Commerce im B2B
Im B2B beginnt Agentic Commerce meist bei der Anbieterauswahl, nicht beim Kauf. Einkäufer lassen sich von KI-Systemen Hersteller, Händler und Dienstleister vorschlagen und vergleichen technische Daten, Normen, Lieferfähigkeit und Referenzen. Direkte Bestellungen durch Agenten sind im B2B bisher selten, weil Rahmenverträge, Freigabeprozesse und individuelle Preise eine Rolle spielen.
Für Maschinenbauer, Zulieferer und Großhändler heißt das: Datenblätter, Produktkonfigurationen und Anwendungsbeispiele sollten als HTML-Seiten und nicht nur als PDF vorliegen. Anbieter mit B2B-Shop sollten Produktdaten so pflegen, dass sie sowohl Menschen als auch Agenten den Vergleich erleichtern.
Risiken und offene Fragen
- Weniger Markenkontakt: Wenn Agenten auswählen, sinkt der Einfluss von Gestaltung, Werbung und Einkaufserlebnis im Shop.
- Abhängigkeit von Plattformen: Händler geben einen Teil der Kundenschnittstelle an OpenAI, Google und andere Anbieter ab.
- Fehlerhafte Bestellungen: Agenten können Anforderungen falsch verstehen. Deshalb setzen die Protokolle auf Bestätigungen durch den Nutzer und nachprüfbare Aufträge.
- Recht und Datenschutz: Fragen zu Vertragsschluss, Widerruf und Datenweitergabe bei Käufen über Agenten sind noch nicht abschließend geklärt. Klären Sie diese im Einzelfall mit Ihrer Rechtsberatung und Ihrem Datenschutzbeauftragten.
- Markt in Bewegung: Funktionen werden eingeführt, geändert und wieder eingestellt, wie das Beispiel Instant Checkout zeigt. Investitionen sollten zuerst in Datenqualität fließen, die unabhängig vom Protokoll nutzt.
Verwandte Begriffe
Quellen
- OpenAI: Buy it in ChatGPT: Instant Checkout and the Agentic Commerce Protocol (29.09.2025)
- OpenAI Developers: Agentic Commerce, Key concepts
- Stripe: Instant Checkout in ChatGPT und Agentic Commerce Protocol
- Webinterpret: OpenAI’s reversal on Instant Checkout (März 2026)
- Google Developers Blog: Under the Hood: Universal Commerce Protocol (UCP) (11.01.2026)
- Google Blog: Universal Commerce Protocol updates (19.03.2026)
- Google Merchant Center-Hilfe: About the Universal Commerce Protocol (UCP) and UCP-powered checkout
- Google Cloud Blog: Announcing Agent Payments Protocol (AP2) (16.09.2025)
- Google Search Central: Optimizing your website for generative AI features on Google Search










