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Agentic Commerce

Agentic Commerce bezeichnet Einkäufe, bei denen KI-Agenten im Auftrag von Menschen Produkte recherchieren, vergleichen und teilweise direkt bestellen. Grundlage sind maschinenlesbare Produktdaten und Protokolle, über die Agenten mit Shops und Zahlungsdiensten kommunizieren.

Inhalt dieser Seite
  1. Beispiel aus der Praxis
  2. Wie funktioniert Agentic Commerce?
  3. Welche Protokolle gibt es für Agentic Commerce?
  4. Welche Daten brauchen KI-Agenten von Händlern und Herstellern?
  5. Agentic Commerce im B2B
  6. Risiken und offene Fragen
  7. Häufige Fragen

Beispiel aus der Praxis

Ein Einkäufer in einem Handwerksbetrieb bittet einen KI-Assistenten, fünf Akku-Bohrschrauber einer bestimmten Leistungsklasse mit Lieferung bis Freitag zu finden. Der Agent vergleicht dafür Produktdaten wie technische Werte, Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit. In manchen Diensten kann er den Kauf nach Bestätigung auch abschließen.

Ein Onlinehändler mit unvollständigen Angaben fällt dabei aus der Auswahl, bevor ein Mensch seinen Shop überhaupt sieht.

Wie funktioniert Agentic Commerce?

Agentic Commerce verläuft in drei Stufen, die unterschiedlich weit automatisiert sind:

  1. Recherche und Empfehlung: Der KI-Agent sucht Produkte in Suchindizes, Produktfeeds und auf Websites und vergleicht sie anhand der Anforderungen des Nutzers. Diese Stufe ist bei ChatGPT, Gemini, Perplexity und Googles KI-Modus verbreitet.
  2. Warenkorb und Checkout: Der Agent legt Produkte in einen Warenkorb und übergibt Liefer- und Zahlungsdaten an den Händler. Das setzt technische Schnittstellen voraus und ist bisher nur in einzelnen Märkten und für ausgewählte Händler verfügbar.
  3. Delegierter Kauf: Der Nutzer legt Regeln fest, etwa Preisgrenze und Zeitpunkt, und der Agent kauft selbstständig, sobald die Bedingungen erfüllt sind.

Der Händler bleibt dabei in der Regel Verkäufer und Vertragspartner. Er stellt Produktdaten, Preise, Steuern, Versand und Zahlungsabwicklung bereit, während der Agent die Oberfläche für den Kunden ist.

Welche Protokolle gibt es für Agentic Commerce?

Drei offene Protokolle prägen den Markt (Stand: September 2026):

Agentic Commerce Protocol (ACP)

OpenAI hat das ACP gemeinsam mit Stripe entwickelt und im September 2025 zusammen mit der Kauffunktion Instant Checkout in ChatGPT vorgestellt. Es umfasst Produktfeeds, die Checkout-Abwicklung und die delegierte Zahlung, wobei OpenAI nicht Verkäufer ist. Nach Medienberichten hat OpenAI Instant Checkout im März 2026 zurückgefahren und setzt stärker auf Händler-Apps in ChatGPT, das Protokoll wird weiter genutzt.

Universal Commerce Protocol (UCP)

Google hat das UCP im Januar 2026 als Open-Source-Standard vorgestellt, entwickelt unter anderem mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Es ermöglicht Käufe direkt im KI-Modus der Google-Suche und in der Gemini-App und wurde im März 2026 um Warenkorb, Katalogzugriff und Kontoverknüpfung erweitert. Der UCP-basierte Checkout ist laut Google derzeit in den USA, Kanada und Australien für ausgewählte Händler verfügbar, nicht in Deutschland.

Agent Payments Protocol (AP2)

Google hat AP2 im September 2025 mit über 60 Partnern aus Zahlungsverkehr und Technologie vorgestellt. Es regelt die Zahlung über kryptografisch signierte Aufträge (Mandates), die belegen, was der Nutzer beauftragt und freigegeben hat. UCP ist mit AP2 kompatibel.

Welche Daten brauchen KI-Agenten von Händlern und Herstellern?

Auch ohne direkten Agenten-Checkout in Deutschland entscheidet die Datenqualität schon heute, ob Produkte in KI-Empfehlungen auftauchen. Die wichtigsten Grundlagen:

  • Vollständiger Produktfeed: Google verweist für KI-Funktionen ausdrücklich auf Merchant-Center-Feeds. Titel, Attribute, GTIN, Preis, Verfügbarkeit und Versandkosten müssen aktuell sein.
  • Strukturierte Daten: Produkt- und Angebotsauszeichnungen nach Schema.org, die mit den sichtbaren Angaben übereinstimmen (strukturierte Daten).
  • Klare Konditionen: Lieferzeit, Rückgabe, Garantie und Zahlungsarten in maschinenlesbarer Form statt nur im Fließtext.
  • Vergleichbare Angaben: technische Werte in einheitlichen Einheiten, Einsatzbereiche und Abgrenzungen, die Vergleichsfragen beantworten.
  • Zugang für Agenten: Such-Crawler zulassen und Bot-Schutz so einstellen, dass legitime Agenten nicht blockiert werden.

Wie EOM Händler und Hersteller dabei begleitet, zeigt die Agentic Commerce Beratung.

Agentic Commerce im B2B

Im B2B beginnt Agentic Commerce meist bei der Anbieterauswahl, nicht beim Kauf. Einkäufer lassen sich von KI-Systemen Hersteller, Händler und Dienstleister vorschlagen und vergleichen technische Daten, Normen, Lieferfähigkeit und Referenzen. Direkte Bestellungen durch Agenten sind im B2B bisher selten, weil Rahmenverträge, Freigabeprozesse und individuelle Preise eine Rolle spielen.

Für Maschinenbauer, Zulieferer und Großhändler heißt das: Datenblätter, Produktkonfigurationen und Anwendungsbeispiele sollten als HTML-Seiten und nicht nur als PDF vorliegen. Anbieter mit B2B-Shop sollten Produktdaten so pflegen, dass sie sowohl Menschen als auch Agenten den Vergleich erleichtern.

Risiken und offene Fragen

  • Weniger Markenkontakt: Wenn Agenten auswählen, sinkt der Einfluss von Gestaltung, Werbung und Einkaufserlebnis im Shop.
  • Abhängigkeit von Plattformen: Händler geben einen Teil der Kundenschnittstelle an OpenAI, Google und andere Anbieter ab.
  • Fehlerhafte Bestellungen: Agenten können Anforderungen falsch verstehen. Deshalb setzen die Protokolle auf Bestätigungen durch den Nutzer und nachprüfbare Aufträge.
  • Recht und Datenschutz: Fragen zu Vertragsschluss, Widerruf und Datenweitergabe bei Käufen über Agenten sind noch nicht abschließend geklärt. Klären Sie diese im Einzelfall mit Ihrer Rechtsberatung und Ihrem Datenschutzbeauftragten.
  • Markt in Bewegung: Funktionen werden eingeführt, geändert und wieder eingestellt, wie das Beispiel Instant Checkout zeigt. Investitionen sollten zuerst in Datenqualität fließen, die unabhängig vom Protokoll nutzt.

Verwandte Begriffe

Quellen

Häufige Fragen

Was ist Agentic Commerce einfach erklärt?

Agentic Commerce bedeutet, dass ein KI-Assistent Einkäufe für einen Menschen vorbereitet oder erledigt. Er sucht passende Produkte, vergleicht Preise, Lieferzeiten und Bewertungen und kann in manchen Diensten nach Bestätigung auch bestellen. Für Händler zählt dabei vor allem, wie vollständig und maschinenlesbar ihre Produktdaten sind.

Was braucht ein Onlineshop für Agentic Commerce?

Vollständige und aktuelle Produktdaten, einen sauberen Produktfeed im Google Merchant Center, strukturierte Daten nach Schema.org und klare Angaben zu Lieferzeit, Rückgabe und Garantie. Hinzu kommen Inhalte, die typische Vergleichsfragen beantworten. Technisch müssen Such-Crawler und legitime Agenten die Seiten lesen dürfen.

Was ist das Agentic Commerce Protocol?

Das Agentic Commerce Protocol (ACP) ist ein offener Standard von OpenAI und Stripe, der im September 2025 vorgestellt wurde. Er regelt, wie Händler Produktdaten an ChatGPT übergeben, wie der Checkout abläuft und wie Zahlungsdaten sicher an den Händler weitergereicht werden. Der Händler bleibt dabei Verkäufer und wickelt Zahlung und Versand selbst ab.

Was ist das Universal Commerce Protocol von Google?

Das Universal Commerce Protocol (UCP) ist ein Open-Source-Standard, den Google im Januar 2026 mit Partnern wie Shopify, Etsy, Walmart und Target vorgestellt hat. Es ermöglicht Käufe direkt im KI-Modus der Google-Suche und in Gemini, während der Händler Verkäufer bleibt. Der UCP-basierte Checkout ist laut Google derzeit in den USA, Kanada und Australien für ausgewählte Händler verfügbar (Stand: September 2026).

Was ist AP2?

AP2 steht für Agent Payments Protocol, ein offenes Zahlungsprotokoll, das Google im September 2025 mit über 60 Partnern vorgestellt hat. Es arbeitet mit digital signierten Aufträgen, sogenannten Mandates, die nachweisen, was der Nutzer beauftragt und welchen Warenkorb er freigegeben hat. Das soll Käufe durch Agenten nachvollziehbar und sicher machen.

Können KI-Agenten in Deutschland schon direkt einkaufen?

Nur eingeschränkt. Recherche und Produktempfehlungen durch ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Googles KI-Modus sind verbreitet. Direkte Checkouts über UCP sind laut Google bisher auf die USA, Kanada und Australien beschränkt (Stand: September 2026). Für deutsche Händler steht deshalb die Sichtbarkeit in Empfehlungen im Vordergrund.

Betrifft Agentic Commerce auch B2B-Unternehmen?

Ja. Auch im B2B lassen sich Einkäufer zunehmend von KI-Systemen bei der Anbieterauswahl unterstützen. Wer erklärungsbedürftige Produkte anbietet, sollte technische Daten, Einsatzbereiche und Vergleichskriterien maschinenlesbar und als HTML statt nur als PDF bereitstellen. Direkte Bestellungen durch Agenten sind im B2B bisher selten.

Wie finde ich heraus, wie KI-Agenten meine Produkte sehen?

Mit einem Audit, das typische Kauffragen in den relevanten KI-Systemen stellt und prüft, welche Produkte empfohlen werden, welche Informationen fehlen und welche technischen Hürden ein Agent auf Ihrer Seite hat. Ergänzend lohnt ein Abgleich von Produktfeed, strukturierten Daten und sichtbaren Angaben auf Widersprüche.

Welche Rolle spielt Shopware oder Shopify für Agentic Commerce?

Shopsysteme liefern Produktdaten, Feeds und Schnittstellen, auf denen Agentic Commerce aufbaut. Shopify ist Mitentwickler des UCP und war einer der ersten Partner für das ACP. Für andere Systeme wie Shopware hängt die Anbindung an die Protokolle von Erweiterungen und Dienstleistern ab; prüfen Sie den aktuellen Stand beim jeweiligen Anbieter.

Glossar

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Alle 75 Begriffe
  • Ads in KI-Oberflächen (ChatGPT-Werbung)

    Ads in KI-Oberflächen sind als gesponsert gekennzeichnete Anzeigen, die in KI-Assistenten wie ChatGPT getrennt von der eigentlichen Antwort erscheinen.

  • Agentic Commerce Protocol (ACP)

    Das Agentic Commerce Protocol (ACP) ist ein offener Standard, über den KI-Agenten im Auftrag von Käufern bei Onlinehändlern bestellen und bezahlen.

  • AI Overviews (KI-Übersichten)

    AI Overviews (deutsch: KI-Übersichten, in der Suche als „Übersicht mit KI“ bezeichnet) sind KI-generierte Zusammenfassungen, die Google bei vielen Suchanfragen oberhalb der klassischen Treffer anzeigt, mit Links zu den verwendeten Quellen.

  • GEO (Generative Engine Optimization)

    Generative Engine Optimization (GEO) ist die Optimierung von Inhalten, Website und Marke mit dem Ziel, dass KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Gemini oder Googles KI-Übersichten ein Unternehmen in ihren Antworten nennen und als Quelle verlinken.

  • KI-Agent

    Ein KI-Agent ist ein System auf Basis eines Sprachmodells, das eine Aufgabe selbstständig in Schritte zerlegt, dafür Tools wie Websuche, Browser oder Software-Schnittstellen nutzt und über den nächsten Schritt selbst entscheidet, etwa beim Recherchieren, Vergleichen oder Bestellen.

  • KI-Halluzination

    Eine KI-Halluzination ist eine Aussage eines KI-Sprachmodells, die plausibel klingt, aber falsch oder nicht belegt ist, etwa eine falsche Zahl oder eine Quelle, die es nicht gibt.

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