Inhalt dieser Seite
Beispiel aus der Praxis
In einem Onlineshop lädt auf dem Smartphone das große Produktbild spät (schlechter LCP), der Filter reagiert erst nach einer spürbaren Pause (schlechter INP), und ein nachladendes Cookie-Banner schiebt den Button „In den Warenkorb“ nach unten (schlechter CLS). Jeder dieser Punkte kostet Geduld und damit Käufe.
Google misst die Werte nicht im Labor, sondern mit Daten echter Chrome-Nutzer. Maßgeblich ist, dass die Werte für die große Mehrheit der Seitenaufrufe im grünen Bereich liegen.
Welche Grenzwerte gelten für LCP, INP und CLS?
Google und das Chrome-Team veröffentlichen auf web.dev feste Grenzwerte (Stand: September 2026):
Largest Contentful Paint (LCP)
Zeit, bis das größte sichtbare Element, meist ein Bild oder ein Textblock, geladen ist. Gut: bis 2,5 Sekunden. Verbesserungswürdig: über 2,5 bis 4 Sekunden. Schlecht: über 4 Sekunden.
Interaction to Next Paint (INP)
Reaktionszeit auf Klicks, Tippen und Tastatureingaben über den gesamten Besuch. Gut: bis 200 Millisekunden. Verbesserungswürdig: über 200 bis 500 Millisekunden. Schlecht: über 500 Millisekunden. INP hat am 12. März 2024 die frühere Kennzahl First Input Delay (FID) abgelöst.
Cumulative Layout Shift (CLS)
Maß für unerwartetes Verrutschen von Elementen. Gut: bis 0,1. Verbesserungswürdig: über 0,1 bis 0,25. Schlecht: über 0,25.
Bewertet wird jeweils das 75. Perzentil der Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop. Eine Seite besteht die Core Web Vitals also erst, wenn mindestens drei von vier Aufrufen im grünen Bereich liegen.
Wie beeinflussen die Core Web Vitals das Ranking?
Google bestätigt, dass die Core Web Vitals von den Ranking-Systemen verwendet werden, und empfiehlt gute Werte ausdrücklich. Gleichzeitig betont Google, dass die Suche immer den relevantesten Inhalt zeigen will, auch wenn die Nutzerfreundlichkeit der Seite schwächer ist.
Für die Praxis heißt das: Gute Core Web Vitals gleichen fehlende Relevanz nicht aus. Sie können aber bei vielen vergleichbar hilfreichen Ergebnissen zum Erfolg beitragen. Der größere wirtschaftliche Effekt liegt meist bei der Conversion Rate, weil langsame und springende Seiten Anfragen und Käufe kosten, besonders auf dem Smartphone.
Felddaten und Labordaten: So messen Sie richtig
Für die Bewertung durch Google zählen Felddaten, also Messwerte echter Chrome-Nutzer aus dem Chrome User Experience Report (CrUX), zusammengefasst über die letzten 28 Tage. Labordaten aus Lighthouse sind simulierte Einzelmessungen und dienen vor allem der Fehlersuche.
- Google Search Console, Bericht „Core Web Vitals“: Felddaten für Gruppen ähnlicher URLs der gesamten Website.
- PageSpeed Insights: Felddaten für eine URL oder den Ursprung plus Lighthouse-Analyse mit konkreten Hinweisen.
- Chrome DevTools und Lighthouse: Labormessung während der Entwicklung.
- Eigenes Real-User-Monitoring: sinnvoll, wenn CrUX wegen zu geringer Besucherzahlen keine Daten liefert.
Fehlen Felddaten, bedeutet das nicht, dass die Seite langsam ist. Es gibt dann schlicht zu wenige Chrome-Aufrufe für eine statistische Auswertung.
Typische Ursachen und Maßnahmen
LCP verbessern
- Große Bilder komprimieren, moderne Formate wie WebP oder AVIF nutzen und das Hauptbild nicht per Lazy Loading verzögern.
- Serverantwortzeit senken, etwa durch Caching und ein Content Delivery Network.
- Render-blockierende Skripte und Stylesheets reduzieren.
INP verbessern
- Drittanbieter-Skripte für Tracking, Chat und Werbung prüfen und reduzieren, etwa im Google Tag Manager.
- Lange JavaScript-Aufgaben aufteilen, damit der Browser zwischendurch auf Eingaben reagieren kann.
CLS verbessern
- Breite und Höhe für Bilder, Videos und Werbeflächen angeben.
- Cookie-Banner, Hinweise und nachgeladene Elemente so einbauen, dass sie keine Inhalte verschieben.
- Webfonts mit passenden Ladeeinstellungen einbinden.
Typische Fehler aus Projekten
- Nur den Lighthouse-Score optimieren: Ein grüner Laborwert sagt wenig, wenn echte Nutzer auf älteren Smartphones langsame Werte erleben.
- Nur am Desktop testen: Die meisten Probleme zeigen sich mobil, Google bewertet beide Gerätetypen getrennt.
- Tracking-Wildwuchs: Über Jahre angesammelte Tags verlangsamen jede Interaktion.
- Relaunch ohne Performance-Vorgaben: Neue Designs mit Slidern, Videos und Animationen verschlechtern die Werte, wenn Grenzwerte nicht vorab festgelegt werden.
- Nach der Optimierung sofort Ergebnisse erwarten: Da Felddaten über 28 Tage gesammelt werden, zeigen sich Verbesserungen in der Search Console erst mit Verzögerung.
Die Core Web Vitals gehören deshalb in jede technische SEO-Beratung und in die Abnahme eines Relaunchs.
Verwandte Begriffe
Quellen
- web.dev: Web Vitals
- web.dev: Largest Contentful Paint (LCP)
- web.dev: Interaction to Next Paint (INP)
- web.dev: Cumulative Layout Shift (CLS)
- web.dev Blog: Interaction to Next Paint becomes a Core Web Vital on March 12 (2024)
- Google Search Central: Nutzerfreundlichkeit der Seite in den Google-Suchergebnissen
- Google Search Central: Core Web Vitals und Google-Suchergebnisse










