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Beispiel aus der Praxis
Ein regionaler Versicherer möchte wissen, welche Tarifseiten gelesen werden und wie viele Besucher den Beitragsrechner abschließen. Wegen strenger interner Datenschutzvorgaben soll kein Tool zum Einsatz kommen, das Daten für Werbezwecke nutzt.
Matomo liefert die nötigen Berichte. Die Daten liegen auf einem Server des Versicherers oder in einer europäischen Cloud, und der Versicherer behält die Kontrolle darüber.
Wie funktioniert Matomo?
Matomo erfasst Besuche über ein JavaScript-Tracking auf der Website, über einen integrierten Tag Manager, über die Auswertung von Server-Logdateien (Log Analytics) oder über eine Programmierschnittstelle (HTTP Tracking API). Die Berichte zeigen Besucher, Herkunftskanäle, Seitenaufrufe, Ziele, E-Commerce-Umsätze und Kampagnen.
- On-Premise: Sie installieren Matomo auf einem eigenen oder gemieteten Server und sind für Betrieb, Updates und Sicherheit verantwortlich.
- Matomo Cloud: Der Hersteller betreibt die Software, die Daten und Backups liegen nach Herstellerangaben vollständig in Europa.
Der Kern von Matomo und der JavaScript-Tracker stehen unter der Open-Source-Lizenz GPL v3. Zusatzfunktionen wie Heatmaps, Sitzungsaufzeichnungen oder A/B-Tests sind kostenpflichtige Premium-Plugins von InnoCraft, dem Unternehmen hinter Matomo mit Sitz in Neuseeland.
Kann Matomo ohne Einwilligung eingesetzt werden?
Ob Matomo ohne Einwilligung genutzt werden kann, hängt von Tracking-Methode und Konfiguration ab und ist in Deutschland nicht pauschal zu bejahen. Maßgeblich ist § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG): Wer Informationen auf dem Endgerät speichert oder ausliest, braucht grundsätzlich eine Einwilligung, sofern der Zugriff nicht unbedingt erforderlich ist.
- Cookieloser Modus: Matomo kann ohne Tracking-Cookies messen. Wiederkehrende Besucher lassen sich dann nur eingeschränkt erkennen, das JavaScript-Tracking läuft aber weiter.
- Serverseitige Verfahren: Nach Einschätzung von Matomo gelten in Deutschland nur Log Analytics und die HTTP Tracking API eindeutig als außerhalb des Anwendungsbereichs von § 25 TDDDG, weil dabei nichts auf dem Endgerät gespeichert oder ausgelesen wird.
- Datensparsame Einstellungen: IP-Adressen um mindestens zwei Bytes kürzen, Verweis-URLs anonymisieren, personenbezogene Daten aus URLs entfernen, Widerspruchsmöglichkeit anbieten.
Die Entscheidung, ob ein Cookie-Banner für Matomo entfallen kann, sollten Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten treffen. Diese Darstellung ersetzt keine Rechtsberatung.
Matomo oder Google Analytics 4: Wann passt was?
Matomo ist die bessere Wahl, wenn Datenhoheit Vorrang hat, Google Analytics 4, wenn Werbekampagnen bei Google im Mittelpunkt stehen.
- Für Matomo spricht: Daten bleiben beim Unternehmen oder in Europa, keine Nutzung für Werbezwecke Dritter, Rohdaten vollständig zugänglich, keine Stichprobenbildung in Berichten, Anforderungen von Behörden, Kliniken oder Konzern-Datenschutz leichter erfüllbar.
- Für GA4 spricht: direkte Verknüpfung mit Google Ads und der Google Search Console, Zielgruppen für Retargeting, Modellierung fehlender Daten, kein eigener Serverbetrieb.
- Beide parallel: Manche Unternehmen nutzen Matomo für die Websiteanalyse und GA4 nur für die Kampagnensteuerung. Das bedeutet doppelten Pflegeaufwand und erklärungsbedürftige Zahlenunterschiede.
Bei der Auswahl und Einrichtung unterstützt die Matomo-Beratung von EOM.
Typische Fehler beim Einsatz von Matomo
Matomo liefert nur dann belastbare Zahlen, wenn Betrieb und Konfiguration gepflegt werden. Häufige Schwachstellen sind:
- Selbst gehostete Installationen erhalten keine Sicherheitsupdates.
- Die Berichtsarchivierung läuft über Browseraufrufe statt über einen zeitgesteuerten Serverprozess, wodurch das Tool bei viel Traffic langsam wird.
- Ziele und E-Commerce-Tracking sind nicht eingerichtet, gemessen werden nur Besuche.
- Interne Zugriffe und Bots werden nicht ausgeschlossen.
- Der cookielose Modus ist aktiviert, die Datenschutzerklärung beschreibt aber noch das Tracking mit Cookies oder umgekehrt.
- Kampagnen-Parameter (UTM oder mtm) werden uneinheitlich vergeben, Kanäle lassen sich dann nicht sauber vergleichen.
On-Premise oder Cloud: Welche Matomo-Variante passt?
Die selbst gehostete Variante passt zu Unternehmen mit eigener IT und dem Anspruch, Daten ausschließlich auf eigenen Systemen zu halten. Die Cloud-Variante passt, wenn niemand intern Server, Updates und Datenbank betreuen soll.
- On-Premise: Software kostenlos, Aufwand für Server, Wartung und Sicherheit liegt bei Ihnen, volle Kontrolle über Speicherort und Rohdaten.
- Cloud: kostenpflichtiges Abonnement, Betrieb durch den Hersteller, Datenspeicherung in Europa.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Matomo: Who is InnoCraft?
- Matomo Blog: Piwik is now Matomo (Januar 2018)
- Matomo: Licences for Core, Tracker and Plugins
- Matomo: How do I track visits without cookies?
- Matomo: How do I use Matomo Analytics without consent or cookie banner?
- Matomo: In which locations does the Matomo Cloud store the data?
- Matomo: No data sampling
- Matomo: Requirements for Matomo On-Premise
- § 25 TDDDG, gesetze-im-internet.de










