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Beispiel aus der Praxis
Ein Handwerksmeister fragt Perplexity: „Welche Betriebshaftpflicht passt für einen Elektrobetrieb mit fünf Mitarbeitern?“ Die Antwort nennt drei Versicherer und verlinkt zwei Vergleichsseiten.
Ein Versicherer, der dort nicht vorkommt, ist für diesen Interessenten zunächst kein Kandidat, auch wenn er bei Google gut rankt. KI-Sichtbarkeit misst, wie oft eine Marke in solchen Antworten genannt wird.
Welche Kennzahlen gehören zur KI-Sichtbarkeit?
KI-Sichtbarkeit wird über eine feste Liste von Fragen (Prompts) gemessen, die regelmäßig in mehreren KI-Systemen gestellt werden. Aus den Antworten lassen sich mehrere Kennzahlen ableiten:
- Nennungsrate: Anteil der Antworten, in denen die Marke vorkommt.
- Share of Voice: Anteil der eigenen Nennungen an allen Nennungen der Marke und ihrer Wettbewerber.
- Position: ob die Marke als erste Empfehlung oder am Ende einer Aufzählung erscheint.
- Tonalität: ob die Marke neutral, positiv oder mit Einschränkungen beschrieben wird.
- Zitierte Quellen: welche eigenen Seiten und welche Drittseiten als Beleg verlinkt werden.
Anders als der klassische Sichtbarkeitsindex gibt es dafür keinen branchenweit einheitlichen Standard. Werte verschiedener Tools sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
Wie messen Sie Ihre KI-Sichtbarkeit?
Die Messung beginnt mit einer Liste von 30 bis 100 Fragen, die Ihre Zielgruppe vor einer Kaufentscheidung stellt, etwa Vergleichs-, Anbieter- und Problemfragen. Diese Liste wird in einem festen Rhythmus ausgewertet.
- Manuell oder per Tool: Für einen ersten Eindruck genügen Stichproben. Für laufendes Monitoring gibt es spezialisierte Tools, etwa von Sistrix, Ahrefs (Brand Radar) oder Peec AI.
- Search Console: Der Bericht zu generativen KI-Funktionen zeigt, wie oft Links zu Ihrer Website in Googles AI Overviews und im KI-Modus erschienen sind (seit dem 31. August 2026 für alle Websites verfügbar).
- Webanalyse: Besuche von chatgpt.com, perplexity.ai oder gemini.google.com lassen sich als Verweise in GA4 oder Matomo auswerten. Ein Teil kommt ohne Verweisinformation an und erscheint als Direktzugriff.
Wie oft KI-Antworten Ihre Marke im Vergleich mit Ihren Wettbewerbern nennen, misst das GEO-Audit.
Warum ist KI-Sichtbarkeit für Anbieter erklärungsbedürftiger Produkte wichtig?
KI-Assistenten verdichten eine Recherche auf wenige Empfehlungen. Wer sich vor einer Kaufentscheidung von einer KI beraten lässt, bekommt meist eine Handvoll Anbieter genannt und vergleicht dann nur noch diese. Wer dort fehlt, wird oft gar nicht erst in Betracht gezogen.
Besonders betroffen sind Branchen mit langen Entscheidungswegen: Maschinen- und Anlagenbau, Software, Versicherungen, Finanzdienstleistungen und spezialisierte Dienstleister. Hier nutzen Einkäufer und Fachabteilungen KI-Systeme, um den Markt vorzusortieren, bevor sie Kontakt aufnehmen. Für Onlinehändler kommt hinzu, dass KI-Agenten Produkte zunehmend selbst vergleichen (Agentic Commerce).
Wovon hängt KI-Sichtbarkeit ab?
KI-Sichtbarkeit steigt, wenn KI-Systeme Ihre Inhalte finden, eindeutig verstehen und auf mehreren vertrauenswürdigen Seiten bestätigt sehen. Die Maßnahmen dafür fasst der Begriff GEO zusammen:
- Inhalte, die Kauf- und Vergleichsfragen direkt beantworten, mit konkreten Daten, Einsatzbereichen und Abgrenzungen.
- Einheitliche, maschinenlesbare Produkt- und Unternehmensangaben, unterstützt durch strukturierte Daten.
- Erwähnungen auf Fachportalen, Vergleichsseiten, Bewertungsplattformen und in Branchenverzeichnissen.
- Technischer Zugang für Such-Crawler wie Googlebot und OAI-SearchBot.
Typische Fehler bei der Bewertung von KI-Sichtbarkeit
- Einzelne Abfragen überbewerten: KI-Antworten schwanken von Abfrage zu Abfrage und je nach Nutzerkontext. Eine einzelne Antwort ist keine Messung.
- Nur Markenfragen prüfen: Fragen, die den eigenen Firmennamen enthalten, zeigen fast immer die eigene Marke. Aussagekräftig sind Fragen ohne Markennennung.
- Fragenliste ständig ändern: Wer Prompts hinzufügt oder entfernt, verändert den Messwert, ohne dass sich an den Antworten etwas ändert. Änderungen an der Liste sollten dokumentiert werden.
- Nur ein System betrachten: ChatGPT, Perplexity, Gemini und Googles KI-Funktionen nutzen unterschiedliche Quellen und liefern unterschiedliche Ergebnisse.










