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Screenreader

Ein Screenreader ist ein Programm, das Inhalte vom Bildschirm per Sprachausgabe vorliest oder auf einer Braillezeile ausgibt. Blinde und stark sehbehinderte Menschen bedienen damit Computer und Smartphone über Tastatur oder Gesten.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Beispiel aus der Praxis
  3. Wie funktioniert ein Screenreader?
  4. Welche Screenreader gibt es?
  5. Was brauchen Websites, damit Screenreader sie gut vorlesen?
  6. So testen Sie Ihre Website mit einem Screenreader
  7. Typische Fehler, die Screenreader-Nutzer ausbremsen
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Screenreader liest vor, was der Browser über eine Seite an das Betriebssystem meldet, etwa Überschriften und Beschriftungen von Formularfeldern.
  • Am Computer sind JAWS und NVDA am weitesten verbreitet, am Smartphone VoiceOver von Apple. Das zeigt die WebAIM-Umfrage 2026 unter 1.780 Nutzern.
  • In dieser Umfrage springen 67,8 % der Befragten auf langen Seiten zuerst über die Überschriften. Echte HTML-Überschriften sind deshalb für jede längere Seite wichtig.
  • Bilder brauchen Alt-Texte. Fehlen sie, hört der Nutzer womöglich nur den Dateinamen, bei einem Icon ohne Namen nur „Schaltfläche“.
  • Einen ersten Test machen Sie selbst, etwa mit dem kostenlosen NVDA unter Windows oder mit VoiceOver am Mac.

Beispiel aus der Praxis

Ein Hersteller von Medizintechnik bietet Anwenderschulungen für Pflegekräfte an und nimmt Anmeldungen über ein Onlineformular entgegen. Wer die Schulungsseite mit dem Screenreader NVDA öffnet und mit der Taste H von Überschrift zu Überschrift springen will, hört keine einzige Überschrift. Die Zwischentitel sind nur fett formatierter Text.

Im Formular liest NVDA beim Absenden-Knopf nur „Schaltfläche“ vor, weil der Knopf lediglich ein Pfeil-Icon zeigt. Nach der Überarbeitung sind die Zwischentitel echte HTML-Überschriften, und der Knopf heißt für den Screenreader „Anmeldung absenden“.

Wie funktioniert ein Screenreader?

Ein Screenreader gibt aus, was der Browser über eine Seite an das Betriebssystem meldet. Der Browser baut dafür aus dem HTML-Code einen Barrierefreiheitsbaum auf, in dem jedes Element einen Namen und eine Rolle hat, etwa „Link“ oder „Schaltfläche“. Was dort fehlt, kann auch der Screenreader nicht vorlesen.

Die Ausgabe läuft über eine Sprachausgabe oder eine Braillezeile. Am Computer steuern Nutzer den Screenreader per Tastatur, am Smartphone mit Gesten.

Nur wenige lesen eine lange Seite von oben nach unten, in der WebAIM-Umfrage 2026 waren es 9,7 % der Befragten. Die meisten springen gezielt weiter, am häufigsten von Überschrift zu Überschrift. In NVDA gelten dafür zum Beispiel diese Tasten.

  • H. Springt zur nächsten Überschrift. Mit den Ziffern erreichen Nutzer eine bestimmte Ebene.
  • K. Führt zum nächsten Link.
  • F. Wechselt zum nächsten Formularfeld.
  • D. Bringt den Fokus zum nächsten Seitenbereich, etwa zur Navigation oder zum Hauptinhalt.
  • NVDA+F7. Öffnet eine Liste aller Links oder Überschriften der Seite.

Welche Screenreader gibt es?

Am Computer sind JAWS und NVDA am weitesten verbreitet, am Smartphone VoiceOver von Apple.

Verbreitete Screenreader (Stand: Oktober 2026)
Screenreader System Kosten Nutzung laut WebAIM 2026
JAWS (Freedom Scientific) Windows kostenpflichtige Lizenz 55,0 % als Haupt-Screenreader am Computer
NVDA (NV Access) Windows kostenlos, Open Source 32,9 % als Haupt-Screenreader am Computer
VoiceOver (Apple) Mac, iPhone im System enthalten 6,5 % als Haupt-Screenreader am Computer, 72,2 % nutzen ihn mobil
TalkBack (Google) Android in Android enthalten 29,5 % nutzen ihn mobil
Sprachausgabe (Microsoft) Windows in Windows enthalten 0,4 % als Haupt-Screenreader, 36,1 % nutzen sie häufig

WebAIM Screen Reader User Survey #11, Juli bis August 2026, 1.780 gültige Antworten. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, gut die Hälfte der Befragten kommt aus Nordamerika. In Europa lagen JAWS mit 42,8 % und NVDA mit 42,3 % gleichauf.

Was brauchen Websites, damit Screenreader sie gut vorlesen?

Screenreader lesen nur vor, was im HTML-Code steht. Fünf Punkte sorgen dafür, dass Inhalte und Funktionen dort ankommen. Die Anforderungen dahinter beschreiben die WCAG.

  • Echte Überschriften. Zwischentitel sind als HTML-Überschriften ausgezeichnet, ohne Ebenen zu überspringen. In der WebAIM-Umfrage springen 67,8 % der Befragten auf langen Seiten zuerst über die Überschriften. Übersprungene Ebenen fand WebAIM auf 41,8 % der meistbesuchten Startseiten.
  • Alternativtexte. Informative Bilder haben einen Alt-Text, dekorative ein leeres alt-Attribut, damit der Screenreader sie überspringt.
  • Beschriftete Felder und Schaltflächen. Jedes Formularfeld ist mit seiner Beschriftung verknüpft, jede Schaltfläche hat einen Namen. Auf den meistbesuchten Startseiten war ein Drittel der Formularfelder nicht korrekt beschriftet.
  • Tastaturbedienung. Menüs und Dialoge lassen sich ohne Maus bedienen, weil Screenreader-Nutzer am Computer mit der Tastatur arbeiten.
  • Sparsames ARIA. ARIA-Attribute ergänzen HTML um Rollen und Zustände für Hilfsmittel. Laut W3C bringen sie kein Tastaturverhalten mit, und falsch eingesetzt verschlechtern sie die Bedienung. Startseiten mit ARIA hatten bei WebAIM im Schnitt 59,1 erkannte Fehler, Seiten ohne ARIA 42, waren aber auch komplexer.

So testen Sie Ihre Website mit einem Screenreader

  1. Screenreader starten. Unter Windows eignet sich das kostenlose NVDA, am Mac schalten Sie VoiceOver mit Command + F5 ein.
  2. Überschriften prüfen. Springen Sie in NVDA mit H durch die Seite. Die Überschriften sollten zusammen ein sinnvolles Inhaltsverzeichnis ergeben.
  3. Links prüfen. Öffnen Sie mit NVDA+F7 die Liste der Links. Jeder Linktext sollte auch ohne Umgebung verständlich sein, „Mehr“ oder „Hier“ reichen dafür nicht.
  4. Formular ausfüllen. Füllen Sie ein Formular nur mit der Tastatur aus und senden Sie es mit einem Fehler ab. Der Screenreader sollte jedes Feld benennen und die Fehlermeldung vorlesen.

Ein Selbsttest zeigt grobe Fehler schnell, auch ohne Übung mit dem Screenreader. In der Prüfung zur digitalen Barrierefreiheit testen wir Abläufe wie Anfrage und Bestellung auch mit Screenreader.

Typische Fehler, die Screenreader-Nutzer ausbremsen

  • Überschriften nur optisch. Fett gesetzter Text sieht aus wie ein Zwischentitel, der Screenreader erkennt darin aber keine Überschrift.
  • Schaltflächen ohne Namen. Ein Icon ohne Text wird nur als „Schaltfläche“ vorgelesen. Leere Schaltflächen fand WebAIM auf 30,6 % der meistbesuchten Startseiten, leere Links auf 46,3 %.
  • Stumme Statusmeldungen. Hinweise wie „In den Warenkorb gelegt“ erscheinen nur am Bildschirm. Kriterium 4.1.3 der WCAG 2.2 (Stufe AA) verlangt, dass Hilfsmittel solche Meldungen vorlesen können, ohne dass der Fokus dorthin springt.

Verwandte Begriffe

Quellen

Häufige Fragen

Was ist ein Screenreader auf Deutsch?

Auf Deutsch heißt ein Screenreader Bildschirmleser oder Bildschirmleseprogramm. Das Programm liest vor, was auf dem Bildschirm steht, und gibt es auf Wunsch auch in Punktschrift aus. Microsoft nennt seinen eingebauten Screenreader in Windows „Sprachausgabe“.

Wer nutzt Screenreader?

Vor allem blinde und stark sehbehinderte Menschen. In der WebAIM-Umfrage 2026 gaben 83,2 % der Befragten Blindheit und 18 % eine Sehbehinderung an, Mehrfachnennungen waren möglich. Auch Entwickler und Redaktionen nutzen Screenreader, um ihre Seiten zu prüfen.

Können Screenreader PDF-Dateien vorlesen?

Ja, wenn das PDF barrierefrei aufgebaut ist. Für Screenreader-Nutzer sind PDFs trotzdem oft ein Hindernis. In der WebAIM-Umfrage 2026 erwarteten 85,6 % der Befragten bei PDF-Dokumenten sehr oder eher wahrscheinlich erhebliche Barrieren, bei Word-Dokumenten 31,1 %.

Gibt es kostenlose Screenreader?

Ja. NVDA für Windows ist kostenlos und quelloffen, VoiceOver gehört zu Mac und iPhone, TalkBack zu Android, und Windows bringt die Sprachausgabe mit. JAWS ist kostenpflichtig.

Wie schalte ich den Screenreader am Computer ein?

Unter Windows startet die Sprachausgabe mit Strg + Windows-Taste + Eingabetaste, mit derselben Kombination schalten Sie sie wieder aus. Am Mac aktivieren und deaktivieren Sie VoiceOver mit Command + F5. NVDA startet nach der Installation mit Strg + Alt + N.

Was ist eine Braillezeile?

Eine Braillezeile ist ein Ausgabegerät, das Text in Punktschrift darstellt. Kleine Stifte heben und senken sich, sodass Nutzer den Text mit den Fingern lesen. Gängige Screenreader wie NVDA und VoiceOver unterstützen Braillezeilen, ebenso die Sprachausgabe von Windows.

Wie liest ein Screenreader Bilder vor?

Er liest den Alternativtext aus dem alt-Attribut des Bildes. Ist das Attribut leer, überspringt er das Bild. Fehlt es ganz, lesen manche Screenreader laut W3C den Dateinamen vor, etwa „IMG_4711.jpg“.

Hilft eine screenreaderfreundliche Website auch bei Google?

Teilweise. Google nutzt Alt-Texte zusammen mit Bilderkennung und dem Inhalt der Seite, um zu verstehen, was ein Bild zeigt. Gute Alt-Texte helfen damit Screenreader-Nutzern und der Bildersuche zugleich.

Muss meine Website mit Screenreadern funktionieren?

Für öffentliche Stellen und viele Angebote an Verbraucher verlangen BITV 2.0 und BFSG eine barrierefreie Website. Die zugrunde liegenden WCAG-Kriterien sorgen unter anderem dafür, dass Screenreader alle Inhalte und Bedienelemente auslesen können. Ob Ihr Angebot betroffen ist, klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung.

Glossar

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Alle 75 Begriffe
  • Alt-Text

    Ein Alt-Text ist eine kurze Textalternative für ein Bild im alt-Attribut des HTML-Codes, die Screenreader vorlesen und Suchmaschinen zum Verständnis des Bildes nutzen.

  • Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)

    Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt den European Accessibility Act um und verpflichtet Unternehmen seit dem 28. Juni 2025, bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher barrierefrei anzubieten.

  • WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

    Die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) sind die internationalen Richtlinien des W3C für barrierefreie Webinhalte, mit prüfbaren Kriterien in drei Stufen von A bis AAA.

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